Die meisten von uns kennen die Zauberer, die auf Geburtstagen, Kinderfesten oder Hochzeiten auftreten. Manche davon sind wirklich gut, bei manchen fragt man sich aber auch, was so ein Mensch auf einer Bühne verloren hat. Der Anspruch, den alle Künstler in der Regel gemein haben, ist es, dem Publikum angenehme, oft witzige, augenzwinkernde Unterhaltung zu bieten, bei der man staunen, lachen und sich verblüffen lassen kann. Der Nachteil: Dieses Erlebnis ist zwar oft nett, wirkt aber nicht nachhaltig in den Köpfen der Zuschauer, geschweige denn, in ihren Herzen. Was nicht unbedingt mit der Qualität des Zauberkünstlers zu tun hat, sondern eher mit den Rahmenbedingungen des Auftritts. Ein kurzer Act im Restaurant bei einer Geburtstagsfeier, Kellnerinnen, die umherlaufen, Gäste, die leicht angesäuselt im Hintergrund diskutieren und andere Faktoren machen die Konzentration auf den Künstler schwer. Hier gilt es, visuell, schnell und mitreißend zu sein. Die Magie verkommt von der Kunstform zur oberflächlichen Unterhaltung – zur "Kampfzauberei".
Um Zauberkunst endlich wieder in den Bereich der seriösen Künste einzugliedern, entdecken immer mehr Zauberer momentan wieder verstärkt das Theater oder kleinere Bühnen als Spielstätte für ganze abendfüllende Programme, die wesentlich mehr Zeit bieten und dem Zuschauer ermöglichen, sich ungestört auf die Wunder der Vorführung zu konzentrieren. Das magische Erlebnis wird ungleich höher ausfallen und zudem länger im Gedächtnis haften bleiben. Dieses zweigleisige Fahren – einerseits kurzweilige Auftritte auf privaten und öffentlichen Veranstaltungen, andererseits das Ausleben der Zauberei als Theaterkunst auf der Bühne – ist fruchtbar für beide Seiten. Es bietet dem Künstler ein weiteres Medium, um seine Fertigkeiten unter Beweis zu stellen und vor allem dem Publikum eine ganz neue Erfahrung, Zauberkunst wirklich als Kunst zu erleben. Gute Zauberkünstler schaffen es, ihre Zuschauer mit beiden Formen zu begeistern.