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Kunst, Kultur, Musik


 

Strauß und Dresden: Pflege seines Erbes

von Luis Gondez; veröffentlicht am 27.05.2007
Die Sächsische Landeshauptstadt pflegt das Erbe des Komponisten

Am 8. September 1949 stirbt der Komponist Richard Strauss 85jährig im bayerischen Garmisch. Sein Lebenswerk umfasst Sinfonische Dichtungen, Lieder, Kammermusik und vor allem Opern, die heute die Spielpläne in aller Welt bereichern.

Die Opern sind es, die Richard Strauss eng mit Dresden verbunden haben und noch verbinden. So legt die Sächsische Staatsoper mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden auch heute einen Schwerpunkt auf das Erbe des Meisters. Die Dresdner Philharmonie hat ebenfalls Werke des aus München stammenden Meisters in den Mittelpunkt vieler Konzerte gestellt.

Erinnerung an Dresden
„Es dürfte über 60 Jahre sein, dass 13 hervorragende Bläser dieses Orchesters im Dresdner Tonkünstlerverein meine kleine Serenade aus der Taufe hoben” schreibt Strauss 1948 aus der Schweiz an die Sächsische Staatskapelle zu deren 400. Geburtstag dankbar.

Er erinnert weiter, „dass ich in Sempers prächtigem Opernhaus unter Kapellmeister Hagen meinen in vollendeter Klangschönheit genoss, bis unter des genialen Schuch unermüdlichem Zauberstab die Reihe seiner vorbildlichen Uraufführungen begann, der mein Opernschaffen nicht zuletzt durch die aufopfernde Leistungen der Kapelle seine schönsten Erfolge verdankt. Aus der Fülle der herrlichsten Erinnerungen meiner künstlerischen Laufbahn rufen die Klänge dieses Meisterorchesters stets von neuem Gefühle innigster Dankbarkeit und Bewunderung wach, mit denen ich jedes Mal, zuletzt im Juni 1944, aus dem geliebten Theater schied."

Die Dresdner Uraufführungen
Dass Dresden zur Strauss-Stadt wurde, war dem Intendanten der Berliner Lindenoper zu verdanken. Als frisch ernannter Kapellmeister im kaiserlichen Hoftheater wollte Strauss hier 1901 seine Oper zum ersten Mal auf die Bühne bringen. Inhalt: eine Kritik an kleinbürgerlicher Doppelmoral.

Die preußischen Zensoren und der Intendant weigerten sich. Ganz anders dagegen Dresden: Ernst von Schuch lud Strauss ein „und trotz mancher sittlicher Bedenken kam sie in Dresden mit gutem Erfolge zu ausgezeichneter Aufführung".

Mit der Oper nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Oskar Wilde läutete Strauss 1905 das moderne Musiktheater des 20. Jahrhunderts ein. Dem Dirigenten Schuch schrieb Strauss nach der Dresdner Uraufführung: ,,Ich freue mich riesig über den kolossalen Erfolg der und nicht zuletzt über den eminenten Erfolg, den Sie persönlich als wohlverdienten Lohn für alle Mühe, Aufopferung und Selbstentäußerung davongetragen haben”.

Auch die Uraufführung 1909 in Dresden erntete Begeisterung, die jedoch zwei Jahre später der in den Schatten stellte.

Mit Sonderzügen reisten Musikfreunde aus Berlin an die Elbe, um das Musikereignis zu erleben. Ernst Schuch hob 1912 auch die aus der Taufe. Nach Schuchs Tod 1914 dirigierte Strauss das Gedenkkonzert. Die erste Strauss-Woche in Dresden folgte im Mai 1915. Weitere folgten zu Lebzeiten des Komponisten 1919, 1924, 1926, 1927, 1928, 1930 und 1934.

Fritz Busch nahm 1924 und 1928 die Tradition der Strauss-Uraufführungen wieder auf. Obwohl Fritz Busch 1933 von den Nazis regelrecht aus der Semperoper vertrieben worden ist, nahm Strauss die geplante Uraufführung 1933 nicht zurück.

Auch über der von Karl Böhm dirigierten Uraufführung der Oper lag der Schatten des Dritten Reichs. Strauss konnte zwar noch die Nennung des (schon als jüdisch verfemten) Textdichters Stefan Zweig auf dem Theaterzettel durchsetzen, doch das Werk wurde nach vier Aufführungen vom Spielplan genommen. Die neunte und letzte Opernuraufführung war die Karl Böhm gewidmete am 15. Oktober 1938.

Strauss-Pflege heute
In der 1985 wiedereröffneten Semperoper ist Richard Strauss als Bronzebüste verewigt: Im zwingerseitigen Foyer blickt sein Gesicht in Richtung der Eingänge zum ersten Rang. Als wolle er den heutigen Aufführungen seiner Werke lauschen.

Einer der Taktstöcke, mit denen Strauss dirigierte, wird übrigens im Musikzimmer des Kempinski Hotel Taschenbergpalais aufbewahrt. Das Hotel, in dem Strauss während seiner Dresden-Aufenthalte logierte, eröffnete 1985 als Interhotel Bellevue auf der anderen Elbseite wieder. Schließlich trägt ein Platz nahe der Technischen Universität seinen Namen.

Sein früher Freund und Förderer Ernst von Schuch wurde mehrfach vom Dresdner Jugendstilmaler Robert Sterl porträtiert. Das schönste Bild von Schuch als Dirigenten ist Bestandteil der Sammlung der Gemäldegalerie Neue Meister. Weitere schöne Gemälde Sterls mit Strauss-bezug sind in dessen ehemaligen Wohnhaus und Atelier in Naundorf bei Stadt Wehlen in der Sächsischen Schweiz ausgestellt.

Eine vielfach unbekannte Tradition der Strauss-Pflege ist seit 1990 wieder überall in Dresden lebendig: die Liebe zum guten Essen und zum Bier. In seiner ironisch-witzigen Art, erklärte er einmal, dass er ein „Glas Bier” so materialgerecht in Musik setzen könne, dass jeder Hörer unterscheiden könne, ob es sich um ein Pilsener oder Kulmbacher handele. Strauss selbst war mit einer Sängerin aus der bayerischen Brauereifamilie Pschorr verheiratet.


Informationen zum Autor
NameLuis Gondez
Emailpreismuffel[at]web.de
Homepagewww.dresden-hotel.de
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veröffentlicht am27.05.2007
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