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Schnitzereien im Negativen
von Bernhard Heß; veröffentlicht am 07.06.2007
Mitten im grünen Herzen Thüringens werden in einer kleinen Holzbildhauerei kunstvolle Schnitzereien der besonderen Art angefertigt. Auf individuellen Kundenwunsch hin werden die Entwürfe angefertigt, die später auf gehobelte und geschliffene Obst-Hölzer übertragen werden.
Damit beginnt der Schwerpunkt der Arbeit – das Schnitzen des so genannten Springerle Models. Im Mittelalter als eigenständiger Beruf ausgeübt, starb dieses Kunsthandwerk Ende des vorletzten Jahrhunderts fast völlig aus. In Sondershausen, nördlich von der Landeshauptstadt Erfurt, eignete man sich diese klassischen Techniken des Handwerks autodidaktisch an und perfektionierte diese. So sind inzwischen sehr viele unterschiedliche Motive aus verschiedensten Bereichen realisiert worden.
Gegenüber dem bekannten erhabenen Schnitzen, beispielsweise bei herkömmlichen Reliefarbeiten, werden die Springerle-Model-Gebäckformen aus einer ebenen Fläche in die Tiefe gearbeitet. Mit kleinen und teilweise selbst angefertigten Werkzeugen werden als erstes die Konturen des jeweils zu schnitzenden Motivs erarbeitet. Der Holzbildhauer muss ständig im Kopf haben, dass der Teil an der Holzform, der später am weitesten aus dem Plätzchen herausragt, am tiefsten ins Holz hinein geschnitzt werden muss. Eine zusätzliche Herausforderung dabei ist, dass bei der Negativform die linke und die rechte Seite vertauscht werden müssen, um beim Abdruck im Gebäck – also im eigentlich gewünschten Positiv - das ungespiegelte Motiv zu erhalten.
Die meisten der anderen Holzbildhauer scheuen sich aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades, spiegelverkehrte Negative als Form ins Holz zu schnitzen. Sie setzen also keine Aufträge in diesem Bereich um. Auch sind die meist nur wenige Zentimeter großen Formen mit ihren vielen Ziselierungen nur mittels großen Zeitaufwands zu realisieren.
Bei DUKASI wird jeder Auftrag als neue Chance zur Verbesserung der Techniken angesehen und gerne umgesetzt. Alle ausgelieferten Model genügen den höchsten qualitativen Ansprüchen und werden oft als Vorlage für Abgüsse in größeren Stückzahlen in keramischem Material genutzt.
Inzwischen arbeitet man an der Umsetzung von Sehenswürdigkeiten, Tieren und Pflanzen, Märchenmotiven und Motiven aus vielen anderen Bereichen.
Per Zufall kam man in Thüringen an dieses sehr seltene Handwerk. Ursprünglich eher in der Schweiz und im Süddeutschen beheimatet, entwickelte sich aus einer einmaligen Auftragsarbeit eine dauerhafte Zusammenarbeit mit einem kanadischen Partner, der in Kürze seine eigene Model-Serie als Replikate auf den Markt bringen wird.
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Informationen zum Artikel
| veröffentlicht am | 07.06.2007 |
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