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Urlaub Europa


 

Das Schärenmeer vor Finnland

von Erich Hartmann; veröffentlicht am 02.07.2007
Unsere Reise beginnt in Estlands Hauptstadt Tallin. Die Stadt
präsentiert sich jung und modern. Der alte Stadtkern hat so prachtvolle Bauten,
das Tallin zu Recht zum Weltkulturerbe zählt. 65 km östlich befindet sich der
kleine Ort Käsmu - das Dorf der Kapitäne. Früher stach von hier eine Flotte von
zeitweise 20 Schiffen in See. Viele Bewohner fanden an Bord ihr Einkommen. Ein
abgelegener Ort, doch für sie war es das Tor zu den Weltmeeren. Unweit von Käsmu
liegt an der Küste der 726 Quadratkilometer große Lahemaa Nationalpark.
Urwüchsige Wälder, in denen es noch Luchse, Elche und Braunbären gibt. Über
220 Vogelarten leben und brühten hier. Mit etwas Glück lassen sich im Nationalpark sogar Vielfraße
beobachten. Die großen Marder sind äußerst selten. Nur wenige Menschen haben sie
je zu Gesicht bekommen. Die Tiere wandern manchmal vom Osten über die russische
Grenze ein. Erwachsen werden Vielfraße meist zu Einzelgängern. Jungtiere sind
dafür immer in Gesellschaft unterwegs. Bis zu einem Jahr bleibt der Nachwuchs
bei der Mutter.

Im Norden Europas liegt ein ganz besonderes Meer. Seine
Küsten mal karg wie die Sahara, mal eisig wie die Arktis –
das Schärenmeer (schwedisch:
Skärgårdshavet, finnisch: Saaristomeri). Das Schärenmeer liegt zwischen der
Inselgruppe Åland und dem finnischen Festland. Labyrinthe aus Felseninseln
wechseln mit endlosen Stränden. Das Schärenmeer ist ein erstaunlich vielfältiges
Meer, unter Wasser wie an Land. Vom Charakter eher sanft, doch manchmal auch von
wilder Kraft.

Nur die größeren Schäreninseln sind ganzjährig bewohnt.
Insgesamt leben auf den ca. 50.000 Inseln rund 33.000 Menschen. Die meisten Einwohner sind auch hier geboren. Das Leben auf den kleinen Eilanden ist weit
beschaulicher als auf dem Festland. Ein Grund, der immer mehr Städter anlockt.
Besonders aus Stockholm zieht es die Menschen in die Inselwelt. Für einige Tage,
einen Urlaub oder den Rest ihres Lebens. Kaum eine andere Küste wurde durch die
Eiszeit so sehr geprägt, wie die der Schären. Überall sind noch deutliche Spuren
zu sehen. Durch die Bewegung der Gletscher wirkt der Fels wie poliert. Viele
Ufer bestehen aus nichts als hartem Granit. Für Pflanzen ein schwer zu
erobernder Lebensraum. Erst wo sich in Ritzen und Spalten Humus sammelt, findet
auch eine Vegetation Halt, wie Mauerpfeffer und filigraner Lauch, der Ende Juni
in voller Blüte steht.

Die Spuren der Eiszeit reichen hoch über die Küsten hinaus, denn nach dem Abschmelzen der Gletscher hat sich das Land gehoben – an manchen Stellen bis zu 300 Metern. Vor vielleicht 7000 Jahren wurden die Steine in der Brandung der Ostsee abgerundet. Heute trennen sie nicht nur Bäume und Büsche vom Meer, sondern auch einige Höhenmeter. Die großen Schären nahe der Küste sind schon länger dem Meer entstiegen - gekrönt von einem dichten Baumbestand. Je weiter man sich vom Festland entfernt, desto dünner wird die Vegetation.

Durch die Landhebung verringert sich die Wassertiefe des Schärenmeeres jedes Jahr um etwa 1 cm. Viele der Inselchen wurden gerade erst aus den Fluten geboren und so könnte es sein, dass man die 300 km zwischen Schweden und Finnland eines Tages trockenen Fußes zurücklegen kann.

Im Schärenmeer und weiter nördlich ist die Ostsee kaum noch salzig und unter Wasser treffen verschiedene Welten aufeinander. Die Buchten sind flach und mit dichtem Schilf bewachsen. Zwischen den Halmen leben Seepocken, wie sie auch in der Nordsee typisch sind. Im schummrigen Licht lauern Hechte und Barsche auf Beute. Nicht ihr ganzes Leben verbringen die Fische im Meer. Einmal im Jahr gehen sie zum Laichen auf Wanderschaft. Über kleine Bäche zieht es sie zu Seen im Landesinneren. Seeadler kennen solche Stellen genau. Verlockende Plätze, denn es ist bequemer zu Fuß, als aus der Luft zu jagen.
Besonders dort, wo Felsen den Lauf des Wassers einengen. Möwen sind Meister
dieser Jagdtechnik. Geduldig warten sie viele Minuten. Es ist nicht leicht, bei dem stark strömenden Wasser den richtigen Moment abzupassen. Vor allem, wenn zum Ende der Laichzeit nur noch wenige und meist kleine Fische wandern.


Informationen zum Autor
NameErich Hartmann
Emailerich.hartmann[at]web.de
Homepagewww.schwedisch-translator.de
Anzahl Artikel1
Informationen zum Artikel
veröffentlicht am02.07.2007
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Bildquelle: pixelquelle.de - Interessantes