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Literarisches Eröffnungsfeuer
von Liona Toussaint; veröffentlicht am 08.01.2007
*** Auch vom Aussterben bedroht ***
Ich zog unfreiwillig aus,
raus aus meinem Schneckenhaus der Seele,
zu den 10 Feen,
um ~nicht~ das Fürchten zu lernen.
Der Weg war weit und führte durch die Wüste;
ein kreischender Adler als feindseliger Begleiter.
Mein müder Blick sah oft nach oben,
wo die schwarzen Flügel das gelbe Sonnenlicht durchbrachen.
Das Böse gibt Kraft. Ein Teil so unbesiegbar,
dass des Adlers Augen wissend wütend funkeln.
In der Ferne ein Turm smaragdgrün schillernd.
Das Sonnenlicht erzeugt einen schrillen Wüstenton,
als würden hundert Bögen
langsam über die Saiten
von hundert Geigen streichen.
Feuerrot getäuscht die Sinne.
In meinen Ohren und im Herz,
der zerreißende Schmerz der schrillen Klänge,
danach die ~laute~ unerträgliche Stille.
Vor mir endlich das Schloß.
Kleine hübsche Zofen die mich schweigend begrüßen.
Ein Schloß aus Eis,
umgeben von einer dichten dunkelroten Rosenhecke,
von klaren Bächen meiner Tränen
und kühlen Flüssen meiner Sehnsüchte.
Ich nehme die schönste Knospe von der Hecke an mich
und folge
einem kleinen
lustig zwitschernden
eisblauen Vogel.
Die Zofen winken,
in ihren Gesichtern das zarte Lächeln von Engeln.
Erwartungsvoll steige ich die Treppe hinauf.
Auf den Stufen,
rubinrot,
hinterlasse ich die Verletzbarkeit meiner Seele.
Ein Dorn in meinem Finger - den Schmerz unbemerkt.
Ein Dorn in meinem Auge - und doch mehr sehend.
Ein Dorn in meinem Herzen - zerrissen die Gefühle.
Ein lautloser Schrei.
Getötet meine Seele
von euch Unwissenden aller Andersartigkeiten,
besitzergreifend von allem
und geblendet,
- euch normbewußten Predigern
uns - die so anders sind als ihr,
uns übrig gebliebenen sensiblen Seelen
zum leisen Sterben zwingt.
*** UR-SPRUNG ***
Ein junges grünes Blatt
vom Sturm
vom Baum gefallen
vom rauhen Wind getragen
über graurote Dächer
vom Regen klatschnass klebend
auf einer romantischen Parkbank
vom Sonnenschein getrocknet
auf weichen Windschwingen
hinaus aufs Meer
von Wellen getrieben
bis ans Ufer
vom Sand bedeckt
ganz kühl
einsam
zurück zum Ursprung
*** Junge Wölfe ***
Manchmal
packt einen die Angst vor dem Leben;
ein Flattern im Körper, wie die ersten Flügelschläge zartjunger Vögel.
Manchmal
liebt man das Leben so sehr,
dass kein Platz für Worte,
nur Platz für den Kloß im Hals ist.
Ein Spiel junger Wölfe,
ein Kampf
alter und zähnefletschender großer Grauer.
Hast du einmal die Kraft deines Geistes entdeckt,
ist dir das große Glück und das unendliche Leid
>Zwilling und Schatten<.
Durchlebe den quälenden Schmerz,
kraftlos treibend auf vermodertem Holz im türkis-grün-schwarzen Meer,
mit fast verlorener Hoffnung auf Strandung.
Doch manchmal
öffnet sich die warme Mutter Sonne,
sie breitet ihre Arme aus und bereitet dir den Weg ins Licht.
Du läufst leicht zögernd, mit plötzlich schwindender Angst,
magnetisiert und kindlich wissend, in eine andere Welt.
Du fühlst einen warmen Wind in deinem Haar und auf den Wangen.
Zartgrüne Blätter zwirbeln hin und her an alten Bäumen,
sie strotzen vor Kraft:
die Bäume mit ihren mächtigen Stämmen,
die Blätter mit ihrer Jugend.
Es ist ein liebevolles Spiel der Alten und Jungen,
übermütig und zärtlich knarrend.
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung von der Autorin.
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Informationen zum Artikel
| veröffentlicht am | 08.01.2007 |
| gelesen | 997 mal |
| Bewertung | 4.71 von 5.00 mit 7 Stimmen |
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