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Karls-Universität in Prag
von Matthias Süß; veröffentlicht am 25.10.2007
Die Goldene Stadt Prag, einst Herrschersitz der Könige von Böhmen und Kaiser der Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, hat eine lange Tradition als kulturellen Zentrum. Viele Besucher, die Prag als riesiges Freiluftmuseum betrachten oder neuerdings für einen Wellness-Urlaub anreisen, wissen leider meist nicht von dieser Tradition. Mit der Karls-Universität darf sich Prag beispielsweise rühmen, die älteste Universität in Mitteleuropa glänzen zu besitzen. Die Wurzeln der Hochschule reichen bis 1348 zurück, als sie von Kaiser Karl IV. gegründet wurde. Die Universität entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zur Drehscheibe bedeutender historischer und religiöser Ereignisse. Als damaliges Zentrum des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation war die Karls-Universität unter seinem Gründer und Namensgeber ein bedeutender Anziehungspunkt für Gelehrte und Künstler. Anlehnend an die Pariser Universität gegliedert gliederte sie sich in die vier klassischen Fakultäten (Artistenfakultät, juristische Fakultät, theologische Fakultät, medizinische Fakultät). Die von Jan Hus angeführte Reformbewegung stürzte die Kirch e in eine ernsthafte Krise, die Wurzen der hussitischen Bewegung lagen bei der Prager Universität, wo Hus studiert hatte und auch in der Stadt als Prediger wirkte. Die Streitigkeiten zwischen den Lehrenden und Studenten unterschiedlicher Nationen führte im Laufe des 15. Jahrhundert zu einer weitgehenden Isolierung und ihre Bedeutung sank. Im 17. Jahrhundert setzte infolge des Dreißigjährigen Kriegs eine Rekatholisierung ein. Die Ideen der Aufklärung im 18. Jahrhunderts fielen in Prag auf fruchtbaren Boden, der Universitätsbetrieb wurde neu gestaltet und nicht nur deshalb stieg Prag 1848 zu einem der Zentren der nationalen, freiheitlichen und revolutionären Bewegungen Europas auf. Die 1882 beschlossene Spaltung in einen deutschen und einen tschechischen Teil bestand nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 fort. Im Dritten Reich wurden Studierende und Wissenschaftler interniert und die Universität geschlossen. Die Jahrzehnte nach dem Krieg standen im Zeichen politischer Säuberung nach stalinistischem Vorbild. Erst nach 1989 blühte die Karls-Universität wieder auf. Sie verteilt sich heute auf drei Standorte: Die Hauptgebäude befindet sich direkt in Prag, weitere Institute wurden in Pilsen im Böhmerwald und Hradec Kralove gegründet. Sie verfügt insgesamt über 17 Fakultäten und renomierte Forschungszentren.
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Informationen zum Artikel
| veröffentlicht am | 25.10.2007 |
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