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IT-Fachkräftemangel - Eigentor?
von Christiane Strasse; veröffentlicht am 31.08.2007
Der seitens der Industrie ausgerufene IT-Fachkräftemangel kann mit einem Fußballsatz auf den Punkt gebracht werden: Klassisches Eigentor.
Mit Beginn der großen Netzwerk - Infrastrukturen, als auch das kleinste Unternehmen seine Möglichkeiten der Vernetzung und des Internets erkannte, hätte die Industrie unverzüglich in ihren Personalausbildungen reagieren müssen.
Was ist eine IT-Fachkraft überhaupt? Für Programmierer gibt es das Studium der Informatik. Die sind es schon mal nicht. Vielleicht jemand, der Netzwerke verlegt, plant und anschließt? Das machen meistens die Elektrobetriebe, also ein Elektriker. Die können es auch nicht sein. Bliebe noch der Arbeitsplatzrechner mit seinem Betriebssystem. Das kann aber auch Onkel Hans, denn der sagt, das Betriebssystem muss einmal eingespielt werden, die erforderlichen Updates werden automatisch installiert. Der kann es also auch nicht sein. Was meint die Industrie mit IT-Fachkraft? Ganz einfach. Von allem ein bisschen, und das möglichst zu günstigen Konditionen.
Mitte der 90er formierte sich das Berufsbild des „IT-Freelancer“. Es waren Leute, welche einen Beruf erlernt hatten, sich intensiv mit EDV beschäftigten, und plötzlich zu den Wissenden gehörten. Freelancer galten als elitäre Gruppe und erkannten ihren Wert, als die Nachfrage nach IT-Kompetenz wuchs. Und diese Gruppe konnte vor allem eines: Lesen. Dann kam der nächste Faktor: Verstehen. Auch dies für die meisten kein Problem. Es folgte die Umsetzung. Das gelang auch.
Ende der 90er wurden IT-Systeme komplexer. Datenbanken wurden größer, Computer immer leistungsfähiger und Netzwerktechnik erschwinglich. Es gab nur eines nicht: ausgebildete Mitarbeiter.
Die Nachfrage nach spezialisierten Freiberuflern stieg. Ausschreibungen für Freelancer wurden immer häufiger.
Als auch über die Freelancer der Bedarf nach qualifizierten Experten nicht gedeckt werden konnte, entdeckte man den indischen Mitarbeiter. Die Industrie atmete auf. Endlich wissende und motivierte Mitarbeiter. Und das zu einem unschlagbaren Preis. Dachten zumindest die Industrieunternehmen.
Zum Entsetzen derer, orientierte sich Indien aber Richtung USA. Und jene, welche schon hier waren, sahen zum ersten Mal ein Glasfasernetzwerk und staunten über Internetzugänge. Irgendwie hätte man jetzt erwartet, dass seitens der Industrie ein Ausbildungsrahmen geschaffen wird.
Die Kenntnisse eines guten IT-Freelancers beinhalten u. a.:
- alle gängigen Betriebssysteme
- Netzwerktechnik und Netzwerkprotokolle
- Softwarehandling
- Datenbanken
Und Freelancer sind das, was die Industrie seit Jahrzehnten fordert: flexibel, motiviert und hoch effizient. Sie sind nur eines nicht: billige Arbeitskräfte.
Das es bei knapp 5 Mio. Arbeitslosen ein Fachkräftemangel geben soll, ist beschämend. Hier müssen wir nur auf die Intention der Industrie schauen. Mit Pressemitteilungen, elegant über die internationalen Presseverteiler gelenkt, verursacht man selbstverständlich in den Drittländern Aufmerksamkeit. Und nicht nur dort. Auch in Ländern wie Polen, Russland und Ukraine, fallen solche Mitteilungen auf fruchtbaren Boden.
Ein Schelm, der hierbei Böses denkt.
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Informationen zum Artikel
| veröffentlicht am | 31.08.2007 |
| gelesen | 839 mal |
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