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Familie & Kinder


 

Ganz schön mutig

von Ute Bäuchl; veröffentlicht am 11.06.2007
Von Heimweh, Fernweh und ewigem Sonnenschein: Wie ist es als deutsche Frau in Bangkok zu leben?

Viele Ausländer leben und arbeiten in Bangkok. Und eine nicht geringe Anzahl davon sind Frauen. Denn wer glaubt die Megacity sei - aus den bekannten Gründen - ein reines Männder-Domizil, hat sich geirrt. Nicht nur dem starken Geschlecht bietet die Trend-Hauptstadt interessante Optionen zum dableiben. Wir wollen einmal genauer hinschauen was deutsche Frauen bewegt sich hier niederzulassen, was sie hier hält und welche Sehnsüchte sie haben.

Von Ute Bäuchl

Wer an einem gewöhnlichen Vormittag mit dem BTS "Skytrain" unterwegs ist, bekommt neben vielen einheimischen Bangkok-Thais und Touristen aus aller Welt auch eine weitere Spezies zu sehen: die "Expatriat-Frau" - das weibliche Wesen aus der westlichen Welt, nicht wenige davon aus Deutschland. Vielleicht ruft sie gerade per Handy im Office an, um einen Termin zu verschieben oder liest in einer Frauenzeitschrift, um sich die Zeit zu vertreiben. Und natürlich ist sie nicht nur in der modernen BTS-Bahn zu finden, obwohl sie hier inmitten des Konglomerats der Bangkokreisenden besonders heraus sticht - wohl weil man einfach Zeit hat mal etwas genauer hinzuschauen. Nein - man staune - die deutschen Frauen sind einfach überall: Dinieren in den internationalen Luxusrestaurants der Stadt, flanieren in den trendigen Einkaufstempeln und verteilen sich bis hin an die malerischen Strände des Landes. Sie leben hier, sie lieben hier, sie arbeiten hier. Mal mit Familie als Anhang, mal als Single oder sogar als Alleinerziehende - und das in jeder Altersstufe. „Farang“ werden sie von den Einheimischen genannt.

Das geschulte Auge erkennt schnell, wer nur auf Durchreise in Bangkok ist und wer sich hier auf Dauer niedergelassen hat. Das wichtigste Merkmal ist das Fehlen von Stadtplan, Kamera und Backpack, die saubere Kleidung und die oft exzellenten Thai-Sprachkenntnisse. Ja, und was machen die denn alle hier möchte man sie fragen, und wenn man es tut bekommt man die kuriosesten Antworten: Von “eine Veränderung im Job musste her” über “ich wollte einfach mal was Neues erleben” bis hin zu “weil die schönen Strände so nah sind”. Ein gutes Argument. Manchen Frauen blieb auch gar keine Wahl: Sie haben einfach ihre Männer begleitet, die von internationalen Firmen und Organisationen auf bestimmte Zeit nach Bangkok geschickt wurden.

Die 54-jährige Christa aus Berlin etwa lebt seit zwei Jahren in Bangkok. Nach der Scheidung ihres Mannes wollte sie sich in der Stadt niederlassen, die sie schon immer - von früheren Reisen her - begeisterte. Mit einer Festanstellung als Hochschullehrerin verdient sie gut und kann sich ein schönes Haus mit Garten und eigener "Maid" leisten. Noch sei sie nicht soweit sich nach einem neuen Lebenspartner umzuschauen, erklärt Christa. "Ich brauche keinen Mann zurzeit und bin einfach glücklich ohne". Sie hat einen großen Freundeskreis von Frauen und Männern aus den verschiedensten Ländern der Welt. Genau das fasziniere sie auch so: "In Bangkok leben bedeutet für mich, in einem Melthingpot der Kulturen zuhause zu sein", erklärt sie lächelnd und fügt hinzu „eigentlich wie in Berlin“.

Um Anschluss zu finden haben sich die deutschen Frauen in Bangkok bereits 1985 zu der Kontaktbörse „Drehscheibe“ zusammengeschlossen. Im „Treffpunkt für alle deutschsprachigen Frauen“ kann man neue Freunde finden, Starthilfe bekommen oder einfach mal die Seele baumeln lassen. Jeden Dienstag treffen sich die Mitglieder, um gemeinsam zu kochen, Ausflüge in die Umgebung zu machen oder sich auch mal mit einem Wellness-Programm zu verwöhnen. ”Ganz gleich was wir zusammen unternehmen, wir haben immer Riesenspaß zusammen“, erklärt Christa. Die wöchentlichen Treffen würden auch gegen das Heimweh helfen, das sich bei ihr regelmäßig vor Weihnachten und Ostern einstellen würde, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Das Leben in verschiedenen Welten ist auch für Brigitte und ihren Mann Tom nichts Ungewöhnliches mehr: Schon vor Jahren haben sie Deutschland den Rücken gekehrt und ziehen mit Sack und Pack durch die Welt. Nach Aufenthalten in Südamerika, China und Europa haben sich die Vagabunden vor zwei Jahren in Bangkok niedergelassen. Obwohl die Münchner ein wunderschönes Haus mitten in einem Park im Zentrum der Stadt bekommen haben - eine echte Oase - zieht es den Künstler und die Deutsch-Lektorin schon wieder weiter. Vor allem Brigitte sehnt sich wieder nach Abenteuer und findet “das Leben hier irgendwie zu eintönig”. Die Frankfurterin, Susanne, ist (noch) eine besondere Rarität unter den Expatriats: Denn sie ist allein erziehend. Nach der schwierigen Trennung von ihrem Mann, wollte sie nur noch weg - soweit wie möglich. Ihr Bruder Ralf lebt bereits seit sechs Jahren im Land des Lächelns und half ihr bei der Wohnungsbeschaffung. Bei der Organisation "Bambi" für schwangere und werdende Mütter, fand sie eine erste Anlaufstelle, um andere Frauen in ihrer Situation kennen zu lernen. Denn Alleinerziehende trifft man hier nicht mal eben im Supermarkt oder auf dem Spielplatz. Mittlerweile hat sich die 40-jährige gut eingelebt und genießt die Vorteile des Lebens in den Tropen: “Die Thais sind extrem kinderfreundlich, jeden Tag scheint die Sonne und wenn wir Lust haben fahren wir einfach an den nächsten Strand”.

Sabine ist auch glücklich in Bangkok. Sehr glücklich sogar. Denn sie ist frisch verheiratet. In der Stadt der Engel hat die Hessin die Liebe ihres Lebens gefunden: John, ihren südafrikanischen Arbeitskollegen. Vor zwei Monaten lud das Paar Familie und Freunde aus der ganzen Welt zu einer wahrhaft interkulturellen Hochzeit in die Millionenstadt. Dabei schien nicht alles immer so rosig. Noch vor einem Jahr war sie mit einem Thai-Mann zusammen, einem Business-Typ, der aber noch nichts von einer Ehe wissen wollte. Sabine trennte sich. An ihre halbjährige Single-Zeit erinnert sich die Angestellte einer großen, deutschen Firma nur ungern: “Da wusste ich einfach nicht, ob ich hier noch den richtigen Mann für mich finde, oder lieber gleich nach Deutschland zurückgehen soll”. Zum Glück traf sie John und blieb.

Zusammen mit ihren Freundinnen organisiert Sabine einmal pro Monat die \\\"Womans nights out\\\". Dann treffen sich ihre Freundinnen und Kolleginnen im Alter von 20 bis 50 Jahren in einem der zahlreichen Restaurants und ziehen im Laufe der Nacht weiter in die angesagtesten Clubs der Millionenmetropole. Das sind ideale Abende, um neue Leute kennen zu lernen oder einfach mal sein Herz auszuschütten.

Ziemlich turbulent erging es Heike: Die 27-jährige hatte sich eigentlich für ein Vollzeitstudium an der Mahidol-Universität eingeschrieben. Sie spricht fließend Thai und hat einen großen Bekanntenkreis in Bangkok gefunden. Doch litt die mollige Asienliebende, die sich mit dem Auslandsstudium einen Traum verwirklichen wollte, einfach zu sehr am Heimweh und, fatalerweise, an fehlenden, potentiellen Partnern - die Thais interessierten sich einfach nicht für sie. Nach vielen Krisen und durch gequatschten Nächten, entschied sie sich ihr Studium der Betriebswirtschaft in ihrer Heimatstadt Hamburg zu Ende zu bringen, "Es war keine leichte Entscheidung, denn eigentlich war ich ja glücklich hier".

Seit vier Monaten lebt sie wieder in Norddeutschland - doch hat die Sehnsucht nach Thailand sie nie verlassen. Manchmal träume sie noch von den Palmen, den perfekten Stränden und natürlich vermisse sie auch ihre thailändischen Freunde hier: "Das war eine besonders schöne und intensive Zeit, die mich für immer prägen wird", erinnert sie sich mit einem Lächeln. Übrigens: Heike ist frisch verliebt und will ihrem neuen Freund bald Urlaub in Thailand machen. Mal sehen wie lange sie diesmal bleibt.



Informationen zum Autor
NameUte Bäuchl
Emailutebaeuchl[at]yahoo.de
Homepagewww.baeuchl.de
Anzahl Artikel1
Informationen zum Artikel
veröffentlicht am11.06.2007
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