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Telekommunikation


 

Handy-Revolution in Kuba

von Markus Prillman; veröffentlicht am 29.04.2008
Während man bei uns über Beschränkungen der mobilen Telefonie nachdenkt, feiert man auf der Karibik-Insel ihre Befreiung von den Ketten der staatlichen Bevormundung.

Ab jetzt dürfen die in Kuba lebenden Staatsbürger/innen frei und höchstpersönlich einen Vertrag für einen Mobiltelefonanschluss abschließen. Außerdem ist es ihnen nun gestattet, EDV-Geräte, DVD-Rekorder und Mikrowellenherde in den Geschäften mit Fremdwährungszahlung zu kaufen. Sie dürfen auch in den Luxushotels auf der Insel wohnen. Allerdings nur dann, wenn sie genug „Hartwährung" besitzen, um in Dollar oder Euro zu zahlen.

Diese Nachricht hat jedenfalls zu Recht Verwunderung bei denen ausgelöst, die nur oberflächlich über Kuba informiert sind - und ein ironisches Lächeln bei all jenen, die sich mit der komplexen und verworrenen, schwer nachvollziehbaren Realität auf dieser karibischen Insel besser auskennen.

Dass gerade wir Kubaner zu den letzten Erdbewohnern gehören, die einen freien Zugang zur Mobiltelefonie - und damit zur Kommunikationsrevolution des vergangenen Jahrhunderts - bekommen, steht wahrhaftig im Gegensatz zum Image, das wir von uns selbst als fortschrittliche Menschen pflegen. Das Gleiche gilt natürlich auch für das Recht auf Anschaffung von DVD-Rekordern und PCs, was bisher nur stillschweigend geduldet war.

Immerhin war Kuba einmal das erste hispano-amerikanische Land, das Anfang des 19. Jahrhunderts eine Eisenbahn hatte - und zwar noch vor Spanien, der damaligen Kolonialmacht. Es war auch das erste, wo eine telefonische Verbindung hergestellt wurde (übrigens ein Werk des US-italienischen Erfinders Antonio Meucci und nicht von Graham Bell). Dann war es das zweite Land in der westlichen Hemisphäre, das TV-Übertragungen eingerichtet hatte, viel früher als in den meisten Ländern Europas. Es ist auch das erste Land Lateinamerikas, dem es gelungen ist, das Analphabetentum nach einer gigantischen Kampagne im Jahr 1961 auszulöschen - und einen Bürger in den Kosmos zu schicken.

Fast überflüssig erscheint es da noch, die gängigen Slogans zu wiederholen, dass die Kubaner das „gebildetste Land der Welt" sind und am engagiertesten, wenn es darum geht, internationale Solidarität zu üben. Aber keine dieser geschichtlichen und aktuellen Bedingungen hat es geschafft, die Kubaner zumindest gleichzeitig mit dem Rest der Welt ins neue Jahrhundert hinüberzubringen.

Der Zugang zu diesen Technologien, die sich nun den Bewohnern dieser mythischen und magischen Insel bieten, die immer für Überraschungen gut ist, ist allerdings teuer: Die Optionen sind nur in „harter Währung" erhältlich, was dazu führen kann, dass ein einfaches Telefongespräch mit einem Mobiltelefon (ein bis zwei Minuten) den Anrufer wie auch den Empfänger umgerechnet in nationaler Währung (kubanische Pesos) einen ganzen Tageslohn kosten würde, zumindest wenn die betreffende Person zu den vielen zählt, die im Staatsdienst beschäftigt sind und demnach ein durchschnittliches Monatsgehalt von 400 Pesos beziehen - also kaum mehr als zwölf Euro. Natürlich wollen die Kubaner auch billig telefonieren. Aber höhe Preise machen das unmöglich. Das macht allerdings nichts, meinen die Leute: Hauptsache wir haben endlich „Celulares"! Eigentlich stimmt das aber auch nicht, denn ein guter Teil der Kubaner, die sich nun den Luxus leisten können, ein Mobiltelefon am Gürtel zu tragen und/oder einen DVD-Rekorder im Wohnzimmer bzw. einen PC im Arbeitszimmer aufzustellen, haben dies auch schon vor der Legalisierung durch die neue Regierung von Präsident Raul Castro getan - eine Regierung, die mit diesem Schritt aber endlich begonnen hat, die schon seit langem versprochenen Änderungen zu verwirklichen.


Informationen zum Autor
NameMarkus Prillman
Emailyaroslbox[at]gmail.com
Anzahl Artikel1
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veröffentlicht am29.04.2008
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