Friseureinrichtung
von Mario Hochreiter; veröffentlicht am 19.12.2007
Vor kurzem war ich beim Friseur in einer lieblichen, idyllischen oberösterreichischen Kleinstadt. Was ich dort sehen musste, drehte mir im ersten Moment den Magen um und ließ mich im nach hinein wütend über mich selber werden, dass ich nicht auf dem Absatz kehrt gemacht und die Flucht ergriffen habe.
Ich betrat also den Salon, der mit der altmodischsten Friseureinrichtung ausgestattet war, die ich je gesehen habe, aber okay, in einer kleinen, etwas rückständigen Stadt erwartet man schließlich keine ladenbautechnischen Meisterwerke.
Zuerst ging es zum Waschbecken, wo mir die nette Friseuse erklärte, dass dieses leider nicht höhenverstellbar wäre, weil die Friseureinrichtung noch aus der Gründungszeit des Unternehmens, vor dreißig Jahren stamme.
Ich schluckte brav, die sarkastische Bemerkung, die mir auf der Zunge lag, hinunter, bedankte mich höflich für das Kissen und ließ mich darauf nieder, um auf der richtigen Höhe zum Haare waschen zu sein.
Schließlich ließ ich entspannt den Kopf nach hinten sinken und genoss die Kopfmassage. Als ich dann jedoch die Augen wieder öffnete, kam mir das Grausen. Mit Blick Richtung Decke musste ich feststellen, dass der Schimmel, der von den Wänden kroch, auch schon an der Friseureinrichtung nagte.
Als nächstes stand das Haare schneiden auf dem Programm, was zur Wiederholung der Kissenprozedur führte.
Am Ende der Behandlung wurde mir dann auch noch unsanft klar gemacht, dass sich das antike Datum nur auf die Friseureinrichtung bezog, nicht aber auf die Preise, denn die waren durchaus an die Wucherpreise der Salons in den Großstädten angepasst.
Als ich nun an dem wackeligen Kassentisch mein sauer verdientes Geld aus der Tasche zog, erwachte der Ärger in mir.
Auf der einen Seite die Kunden abzocken, aber auf der anderen Seite die Angestellten schlecht bezahlen und keinen Cent in die Friseureinrichtung investieren, das war mir einfach zuviel.
Meiner Meinung nach sollte die gesamte Einrichtung aus dem Laden herausgerissen, alles desinfiziert und eine Firma mit dem Ladenbau betraut werden.
Nachdem ich aber ein netter Mensch bin, sparte ich mir meine Ratschläge, setzte meinen Biss in die Zitrone Blick auf und bezahlte den Haarschnitt.
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