Die Fototapete ist wieder gesellschaftsfähig.
von Anwar Ayad; veröffentlicht am 29.07.2007
Manche werden sich sicher an die erste Fototapete erinnern. In den Siebzigern war sie bunt und psychedelisch, später wurde sie durch realistische Abbildungen ersetzt. Wer nicht selbst so alt ist, diese damals in der eigenen Wohnung bewundert zu haben, kann sich sicher an das Experiment seiner mutigen Eltern erinnern. Plötzlich wurde das Wohnzimmer von einem fernöstlichen Sonnenuntergang dominiert, so dass man immer das Gefühl hatte, es wird niemals Tag oder es ist viel zu kalt für diesen Anblick. Gerne wurden auch Waldansichten genommen, die aber nur aus gebührendem Abstand richtig zu bewerten waren. Ging man näher heran oder saß genau davor, sah das Blattwerk aus wie ein geheimes Puzzle, auf das man nur lange genug starren musste, um die alles entscheidende Botschaft zu empfangen. Und so starrte man dann, lange bevor die Magic Eyes 3D Bilder erfunden wurden. Anfang der Achtziger war das Schauspiel dann vorbei. Die Fototapete war fortan Hinterhofcasanovas, Spießern und schummerigen Bars mit eindeutigen Angeboten vorbehalten. Der Hit, auf die die Gäste einst neidisch blickten, mutierte zum Lacher und wurde in der bürgerlichen Wohnung allenfalls noch als trashiges Zitat akzeptiert. Darauf folgend, wollte man gar keine Farbe mehr sehen und bevorzugte die reinweiße Raufaser-Tapete. In Ländern, in denen es nicht ausreichend Raufasertapeten gab, klebte man die Mustertapete einfach verkehrt herum an die Wand, so dass man nur die weiße Seite sah. Nach Jahren in klinischer Umgebung waren dann wieder Farben modern, die man auf die weiße Tapete auftrug. Die absolute Trendfarbe hieß Terrakotta und sollte ein Toskana-Feeling in die heimische Neubauwohnung zaubern. Anfangs bemühte man sich, die Farbe im do-it-yourself Verfahren so aufzubringen, wie es die unzähligen Ratgeber zeigten. Leider merkte man aber schnell, dass die aufwendige Wisch-, Tupf- und Rolltechnik nicht jedermanns Begabung entsprach. So dauerte es nicht lange und sämtliche Baumärkte hatte eine Tapete im Angebot, die diese Auftragetechniken imitierte. Das Ergebnis war allerdings recht unbefriedigend, da die industriell gefertigte Tapete eben doch nicht aussah wie handgetupft. Nach diesen Experimenten wundert es nicht, dass die Renaissance der Fototapete angebrochen ist, vor allem da die neuen Fototapeten mehr Motivauswahl bieten und sich zwischenzeitlich auch die technischen Herstellungsmöglichkeiten verbessert haben. Heute ist nahezu alles machbar, die Rosenwand, die Peperoniwand, der überdimensionierte Buddha, in bunt oder schwarz/weiß, fotorealistisch oder verfremdet. Und selbstverständlich gibt es auch wieder den Palmenstrand, wer ihn vermisst hat - warum nicht.
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