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Der Dachstein im Wandel der Zeit

von Andreas Meier; veröffentlicht am 22.11.2007
Wer kennt sie nicht, die Dächer, ehemals schön aussehend und nun voller Moos, Algen und Flechten. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg wurde verstärkt begonnen, mit Dachsteinen aus Beton einzudecken. Viele ehemalige Ziegeleien wurden in den Wirren des zweiten Weltkrieges zerstört und der Bedarf nach Dachwerkstoffen war groß. Die Älteren werden sich erinnern, im Siedlungsbau gab es in einigen Regionen nur Zuschüsse oder verbilligte Darlehen, wenn mit Dachsteinen gedeckt wurde.Mit dem Dachstein, der fälschlicherweise oft auch Betonziegel genannt wird, kam dann aber auch der Grünbelag im Übermaß. Moos, Flechten und Algen konnten sich auf Grund der vergleichsweise rauen Oberfläche besser ansiedeln und Deutschlands Dächer ergrünten in einer Weise, die von den klassischen Dachwerkstoffen Schiefer und Ton so nicht bekannt waren. Gerade in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wuchsen die Ansprüche des Verbrauchers hinsichtlich Optik rasant und die Dachsteinhersteller reagierten darauf indem sie die Oberflächenbesandung zwar nicht gänzlich abschafften, aber statt dessen verstärkt Dachsteine mit einer Oberflächenbeschichtung einführten.
Eine technische Meisterleistung, sogar noch in der heutigen Zeit. Denn um bezahlbar zu bleiben, muss ein Dachstein noch innerhalb des Produktionsprozesses, also noch vor dem Erhärten und Durchtrocknen beschichtet werden. Zu diesem Zeitpunkt ist er aber mit einem pH-Wert von über 12 so alkalisch und auch noch so feucht, dass nur Beschichtungsstoffe ganz besonderer Güte darauf anhaften und abbinden können. Dies brachte die Branche vorerst in einen Aufwind. Da aber Farben und Beschichtungen einem mehr oder weniger starken Abbauprozess unterworfen sind, wittert diese Beschichtung im Laufe der Jahre ab. Mit der Folge, dass sich zwar zeitverzögert, aber trotzdem gründlich immer noch Grünbelag bilden kann. In den 90er Jahren führte zudem der teilweise Verzicht auf Biozide dazu, dass schon manchmal nur wenige Jahre nach der Eindeckung ein intensiver Algenbelag sichtbar wurde und so die Dachoptik massiv beeinträchtigte. Findige Farbhersteller nahmen sich schnell des Problems an und „erfanden“ die nachträgliche Dachbeschichtung als Sonderform der Dachsanierung. Anfänglich mit eher mäßigem Erfolg. Mittlerweile sprechen Schätzungen aber davon, dass diese Branche der nachträglichen Dachbeschichtungen schon einen Marktanteil von deutlich über 10% bei den Dachsanierungen erreicht. Ein Zustand, der sowohl das Deutsche Dachdeckerhandwerk, als auch die Ziegel- und die Dachsteinindustrie an einer empfindlichen Stelle trifft. Das Kernproblem von Dachwerkstoffen ist nämlich ihre lange Lebensdauer. So kann ein Dachstein zum Beispiel ein Lebensalter von 80 Jahren und mehr erreichen. Gerade die Neueindeckung des Daches, die in erster Linie aus optischen Gründen erfolgt, kann mit einer vergleichsweise sehr preiswerten nachträglichen Dachbeschichtung vermieden werden. Dieser Umsatz fehlt dem Dachdecker nun. Kein Wunder also, wenn Dachbeschichtungen oder auch die Dachreinigung mit Hochdruck massiv und manchmal auch sehr unsachlich bekämpft wird.Als einer der modernen Wegbereiter beklagt die Fa. InoBa aber die immer noch mangelhafte Ausbildungssituation der Branche der Dachbeschichtungen und die mangelnde Flexibilität des Dachdeckerhandwerks in dieser Sonderform der Dachrenovierung. So seien zum Beispiel kaum echte Fachkräfte am Markt verfügbar und eine nachträgliche Qualifikation eines Gesellen des Dachdecker- oder Malerhandwerks dauere bis zu 12 Monaten und länger. Die Ausbildung eines berufsfremden wurde mit mehr als 3 Jahren angegeben, wobei die Quote derjenigen, die nicht in der Lage sind diese Zeit durchzuhalten mit deutlich mehr als 70 % beziffert wurde.


Informationen zum Autor
NameAndreas Meier
Emailmtk[at]emion.de
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veröffentlicht am22.11.2007
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