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Akademikermangel
von Bené Haagensen; veröffentlicht am 23.09.2007
Deutschland braucht dringend Akademiker. Laut dem jüngst veröffentlichten Bericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) können die in den nächsten Jahren frei werdenden Arbeitsplätze für höher qualifizierte Fachkräfte nicht uneingeschränkt neu besetzt werden, da es an nachwachsenden Akademikern mangelt, vor allem in den Ingenieurs- und Bildungswissenschaften. Grund dafür ist das deutsche Bildungssystem, das die Hochschulausbildung nur für Kinder aus Oberschichtfamilien nahe legt. Schon die Aufteilung in verschiedene Schulformen nach dem Grundschulalter legt hierfür den Grundstein. Die Einführung von Studiengebühren wird diese Selektion noch weiter verstärken. Nur 21 Prozent aller 15-Jährigen können sich heute überhaupt eine Akademiker-Karriere als Zukunftsperspektive vorstellen. Dies liegt sicherlich zum großen Teil daran, dass die Finanzierung eines Studiums für viele Familien – nicht nur aus der Unterschicht – zu einem handfesten Problem wird. Die Aufnahme eines Kredits bedeutet, bereits mit einer hohen Verschuldung ins Berufsleben einzutreten: eine Aussicht, die angesichts der jetzt schon herrschenden Zukunftsangst unter Jugendlichen ein Studium nicht gerade empfiehlt. Auf der anderen Seite sind die Aussichten auf einen Job für Akademiker ungleich höher. Die Arbeitslosenquote bei Hochschulabsolventen lag 2005 bei 5,3 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, steigt bei Akademikern zudem auch nicht mit steigendem Alter. Und die Verdienstaussichten sind ebenfalls besser als ohne den Hochschulabschluss. Alles Gründe, die ein Studium trotz höherer Kosten zur ersten Wahl für junge Menschen machen müssten. Aber dies ist, wie der OECD-Bericht belegt, nicht der Fall. Es ist also dringend an der Zeit, das deutsche Bildungssystem zu überdenken und zukunftsfähiger zu machen. Fraglich ist, wie dabei die bisherigen Versuche auf diesem Weg sich auswirken werden – wie das Beispiel Studiengebühren zeigt. Vor allem muss das Schulbildungssystem dahingehend reformiert werden, dass die Chancengleichheit nicht schon im Kindesalter radikal zunichte gemacht wird. Die Akademiker-Lücke, die in den nächsten Jahren entstehen wird, kann allerdings auch durch die besten und schnell-greifendsten Reformen nicht mehr verhindert werden.
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Informationen zum Artikel
| veröffentlicht am | 23.09.2007 |
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